Interview mit Usualredant-Steffen Geyer
Der Gewinner der , Steffen Geyer von Usualredant war so freundlich mir einige Fragen zu beantworten. Dabei geht er sowohl auf das Design seiner Website ein, als auch auf Fragen der Drogenpolitik und dem Kampf gegen die deutsche Bürokratie.
WDF:
Wie kamst Du dazu, eine derartige „seltsame“ Farbwahl zu treffen und überlegst Du nun, da doch einige Kritik laut wurde, das noch einmal zu überdenken?
Steffen Geyer (SG):
Mich stört schon lange, dass das sogar das Nachdenken über Farblayout bei vielen Webmastern auf ein „schwarze Schrift auf weißen Grund“ reduziert zu sein scheint. Dabei bietet CSS doch so wunderbare Möglichkeiten mit Farben zu spielen.
Dazu kommt, dass ich mich mitunter selbst auf „seriöse“ Farben beschränken muss. So will z.B. die von mir betreute Seite des Deutschen Hanf Verbandes (http://hanfverband.de/) eher „altbacken“ daherkommen. Da habe ich bei meiner eigenen Seite als Ausgleich mal etwas tiefer in die Farbkiste greifen wollen und das auch getan.Positiver Nebeneffekt ist es, dass sich meine Seite „ins Gedächtnis der Besucher brennt“.
Was für den einen Augenkrebs ist, wurde so für viele andere zu einer Art Markenzeichen, das als Wiedererkennungwert beinahe unbezahlbar ist. Ewig wird es sicher nicht so bleiben.
Im Moment habe ich zwar keine Zeit für CSS-Spielereien, aber so um den Jahreswechsel will ich verschiedene Teile meiner Seite mit passenden Styles ausstatten und so die thematische Orientierung der Leser erleichtern.
Frage2:
Was sind die Ziele Eurer Organisation und hast Du nicht das Gefühl gegen Windmühlen anzurennen?
SG:
Sicher ist mein Steckenpferd, die deutsche Cannabispolitik, kein Thema, in dem man mit schnellen Erfolgen rechnen darf. Ich mach das ja nun auch schon einige Jahre und werd’ wohl so bald auch nicht aufhören dürfen. Die Frage „Lohnt sich das?“ stellt sich mir nur selten, weil ich mir sehr sicher bin, dass „uns Kiffern“ niemand helfen wird, wenn wir es nicht selbst tun.
Insofern bin ich sicher ein kleiner Don Quichote, aber zumindest einer, der um die scheinbare Unmöglichkeit seiner Bemühungen weiß.
WDF:
Seit wann kämpfst Du für Deine „Drogenpolitik“ und hast Du das Gefühl, dass sich die Gesetze in den nächsten Jahren in Deutschland aus Deiner Sicht verbessern werden?
SG:
Ich bin seit 2001 so richtig drogenpolitisch aktiv. Damals hab ich mich bei der Hanfparade eingebracht, weil ich den Wunsch hatte, irgendetwas dazu beizutragen, dass das Schicksal der Millionen Cannabiskonsumenten und ihrer Angehörigen verbessert.
Die tägliche Ungerechtigkeit, die ich oft genug am eigenen Leib spüren musste, wollte ich nicht mehr unkommentiert hinnehmen.
Im Mai 2004 hat mich dann der Deutsche Hanf Verband gefragt, ob ich mein ehrenamtliches Engagement nicht „professionalisieren“ möchte. Die Entscheidung für den „Beruf Cannabisaktivist“ habe ich bisher nicht bereut.
Ob sich in den kommenden Jahren wesentliches an der deutschen Drogenpolitik ändern wird, mag ich nicht beurteilen. Die Ende November anstehende Volksabstimmung in der Schweiz (http://www.hanfinitiative.ch/) könnte viel Bewegung in das Thema bringen. Andererseits befürchte ich, dass die UNO-Drogenbehörde bei ihrem Treffen im Mai 2009 die herrschende Repressionspolitik als Erfolg preisen wird.
Und dann sind nächstes Jahr ja noch Bundestagswahlen, bei denen noch niemand weiß, wer hinterher regieren wird. Spannend bleibt meine Arbeit also allemal.
WDF:
Was kann die BRD in Hinsicht auf die Drogenpolitik von den Niederlanden lernen oder sogar verbessern?
SG:
Auf der Hanfparade 2004 hat der ehemalige Botschafter der Niederlande in Deutschland Jan van der Tas gesagt „Von den Niederlanden lernen, heißt siegen lernen“, aber ganz so einfach ist es sicher nicht.
In meinem Buch „Rauschzeichen- Cannabis: Alles was man wissen muss“ habe ich mich ja unter anderem auch mit den Problemen des Coffeeshopmodells beschäftigt.
Klar, wäre ein Wechsel zum legalen Erwerb von maximal 5 Gramm Cannabis pro Tag durch Volljährige ein Schritt in die richtige Richtung, aber ob die deutsche Bürokratie einen Weg findet, einerseits den Verkauf zu tolerieren und andererseits den Anbau zu verfolgen, bezweifle ich stark.
Lernen können wir von den Niederländern, dass ein unverkrampfter Umgang mit Cannabis nicht zu einem Anstieg des Konsums führt. Besonders unter Jugendlichen ist der Trend da eindeutig.
Etwa 5 Prozent der Erwachsenen konsumieren bei unseren Nachbarn mindestens einmal pro Jahr (Deutschland 7%). Befragt man die 18-Jährigen Holländer geben 28 Prozent an, bereits Erfahrungen mit Cannabis gemacht zu haben (Deutschland 32%).
WDF:
Welche Blogs besuchst Du regelmäßig und welche Website gefällt Dir (Designaspekt) persönlich am besten?
SG:
Die Liste meiner Blogfavoriten wächst langsam aber sicher. Da ist zum einen Baynados Suchmaschinenblog (http://www.baynado.de/). Der schmückt sich zwar mit einem „Deppenapostroph“ aber dafür hat er eine Menge Tipps und Tricks auf Lager und steht im Fall der Fälle auch mal bei merkwürdigen Fragen mit Rat und Tat zur Verfügung.
Dann schaue ich auch gern bei Helmut Hirner vorbei (http://www.hirner.at/). Bei dem kann ich nämlich prima intellektuelle Spaziergänge machen und weiß nie, was mich erwartet.
Wenn ich ehrlich bin, ist mir das Design eines Blogs im Zweifel weniger wichtig als der Inhalt. So besuche ich Wulffys SEO Blog (http://wulffy.blogspot.com/) recht regelmäßig, obwohl ich die Seite völlig überfrachtet finde.
Content ist King! Das beste Beispiel für diese Philosophie ist sicher Fefe (http://blog.fefe.de/)
Anmerkung von mir:
Drei der vier Webseiten, die Steffen genannt hat, habe ich persönlich in meinem Feedreader. Was soll man da sagen, Qualität setzt sich eben durch…
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