Interview mit playatdawn.com
Auch diesen Monat durfte ich den Gewinnern der “Webseite des Monats” einige Fragen stellen, die Mark und Sven von playatdawn.com beantworteten. Dabei geben sie auch interessante Einblicke in das Musikgeschäft.
WDF: “Stellt Euch bitte kurz vor”.
Mark: “Sven und ich arbeiten in (mehr oder weniger) normalen Bereichen um das ganze Studio-Equipment zu finanzieren und vor allem die Rechenmaschinen auf einen halbwegs aktuellen Stand der Dinge zu halten. Ich selbst bin eigentlich freiberuflicher Marketer und arbeite an vielfältigen Projekten im Bereich Marketing, Kommunikation und Mediadesign – ganz ohne Kreativität geht´s also auch hier nicht so das ich im Grunde ganztätig an diversen Ideen und Konzepten feile. Wir beide sind Anfang 30 und ich selbst betreibe, wenn Du nach aktuellen Projekten fragst, einen Weblog unter web-funk.de wo es dann auch den Output meiner außermusikalischen Aktivitäten zu sehen gibt. Wer gerade auf der Suche nach einem Design für ein eigenes Blog ist findet dort zum Beispiel das ein oder andere Template. Das die Play at Dawn Projektpage auf WordPress läuft ist auch kein Geheimnis aber wie man sieht lässt sich damit ne ganze Menge anstellen.”
Sven: “Tja, wie Mark schon sagt arbeite ich hauptberuflich als Entwicklungsingenieur in einer Softwarefirma. Man könnte sagen hauptsächlich um die Musik finanzieren zu können. Auch das ich Anfang 30 bin hat Mark ja schon erwähnt. Da ich wie gesagt hauptberuflich genug eingebunden bin bleibt außer für Play at Dawn keine weitere Zeit um an weiteren Projekten mitzuwirken, trotz allem findet sich aber immer mal wieder das bisschen Zeit um anderen Projekten unter die Arme zu greifen. Außerdem helfen wir wo wir können und wie es die Zeit zulässt die Fragen von Neulingen zu Produktionsweisen zu beantworten. Wir haben schließlich alle mal angefangen, auch wenn es bei uns jetzt nun schon eine ganze Weile zurückliegt.”
WDF: “Auf Eurer Website ist zu lesen, dass Ihr Tracks sowohl produziert, als auch schreibt. Welcher Anteil ist größer und gibt es „bekannte“ Künstler mit denen Ihr arbeitet?”
Mark: “Die Anteile von Produktion, Komposition und Arrangements sind sehr unterschiedlich und hängen auch ein wenig von der aktuellen Tagesform ab. Als grobe Vorstellung kann man sagen: Je umfangreicher das Arrangement und je größer die Anzahl der einzelnen Spuren desto länger dauert die eigentliche Produktionsarbeit. Das Play at Dawn Projekt ist ja noch sehr jung aber wir arbeiten schon seit vielen Jahren für und mit anderen Projekten, Künstlern, Sängerinnen und Sängern. So entstanden diverse Remixe unter anderem für einen Sampler auf dem wir zusammen mit Leuten wie Hardy Hard, Westbam, I.C.O.N. oder auch Quicksilver zu hören waren, damals noch unter dem Namen Subsight. Mit P.A.D. gab es dann zu Beginn des vergangenen Jahres einen Neuanfang mit neuem Namen, anderer Besetzung und auch einem ganz anderen Sound.”
Sven: “An der Stelle hat Mark eigentlich Alles schon gesagt *lacht*. es kommt halt immer auf die jeweilige Situation an, da wir uns sehr von der aktuellen Stimmungslage leiten lassen. Musik ist halt ein Gefühl. Wenn es ein rein technisch nüchterner Prozess wäre würden die Tracks wohl nicht so klingen wie sie jetzt klingen.”
WDF: “Eure Art der Musik geht eher in Richtung „Trance“, wobei die Unterschiede zu ähnlichen Stilen fließend sind? Was fasziniert Euch an dieser Musik?”
Mark: “Ein Blick auf diverse Internetseiten die sich der elektronischen Musik verschreiben ist heute nur noch schwer zu verkraften was die Benennung teils hunderter von unterschiedlichen Stilen angeht. Ich selbst bin ein absoluter Anhänger von Vielfalt aber die Angst der Bands und Künstler in Schubladen geschoben zu werden führt heute dazu, dass jeder seinen eigenen Stil benennt, aber eben nicht wirklich einen neuen definiert. Wir sehen das wesentlich entspannter weil es im Endeffekt keine Rolle für uns spielt wohin der Einzelne Play at Dawn einordnen mag. Da gibt’s keine Eitelkeiten, deswegen auch unser Quasi-Credo: einfach elektronische Musik.” Die Faszination liegt für mich eindeutig darin, mit einer schier endlosen Klangvielfalt zu experimentieren die trotz ihrer elektronischen Erzeugung unglaubliche Stimmungen erzeugen kann – ein Synthesizer kann eine echte Violine nicht ersetzen aber ebenso wenig sind akustische Instrumente in der Lage, dieses spezielle Spektrum an „Atmosphere“ zu erzeugen wie es nur mit synthetischen Sounds möglich ist. Sven wird jetzt sagen: … komm mir nicht damit, ein Filtersweep ist unschlagbar aber das soll er mal selber beschreiben
Sven: “In welche Schublade man uns nun stecken mag das überlasse ich gerne dem geneigten Hörer, weil es einfach für uns keine primäre Rolle spielt und unsere Musik auch nur schwer in eine spezielle Richtung einzuordnen ist. Ich mag dem zustimmen das es doch zu einem nicht unerheblichen Teil in Richtung Trance geht, aber da ist halt noch mehr. Warum fasziniert mich diese Art der Musik? Es ist einfach diese unheimliche Atmosphäre die man schaffen kann, dieses Geflecht wie Klänge miteinander verschmelzen können und daraus Sachen entstehen die Jeder für sich interpretieren kann. In jedem unserer Track steckt immer auch unsere Gefühlslage beim Produzieren. Die Art wie Klänge erzeugt werden können die nicht natürlichen Ursprungs sind ist das was mich an elektronischer Musik fasziniert. Es ist im Grunde ja so das auch Musiker aus dem elektronischen Bereich ihr ‘Instrument’ beherrschen müssen nur das in diesem ‘Instrument’ ein schier unendliche Anzahl an Klangvielfalten vorhanden sind. das macht es so spannend. Und Musik allgemein ist für mich die Art und Weise wie ich Gefühle und Stimmungen aufzeichnen kann und wenn man sich die Mühe macht und genau hinhört erkennt man viel von dem Wesen des Musikers der dieses Werk geschaffen hat. Viel besser als wenn man mit ihm Jahre lang reden würde. Aber ich merke schon ich komme wieder ins Schwärmen.”
WDF: “Wie lange dauert es, bis ein Track veröffentlicht werden kann?”
Mark: “Hier gibt es so ziemlich jedes Extrem das man sich vorstellen kann. Der aktuelle Remix der auf unserer Projektseite zu hören ist entstand in nicht einmal 7 Stunden! Da passte einfach alles zusammen, die Sounds waren schnell gefunden, die Harmonien eingespielt und der Mix war auch keine Hürde. Das Arrangement umfasste überschaubare zwanzig Spuren und als musikalisches Zitat mussten wir auch keine Lückenfüller bauen oder mit Aufwendigen Collagen arbeiten. Auf der anderen Seite gibt es Tracks wie Sundown oder Traffic die teilweise 60 bis 70 Spuren besitzen und sehr viele kleine Details aufweisen die im Einzelnen meist nicht auffallen aber den Tracks etwas lebendiges mitgeben. Effektiv kann so eine Produktion von der Idee bis zu finalen Mixdown gute 10 Tage dauern, manchmal sind es vier, ein anderes mal zwölf irgendwo in diesem Bereich … Der Vorteil unserer Arbeitsweise liegt heute eindeutig darin, dass wir die Tracks nicht mehr über Tage hinweg an einem Stück „durchboxen“ sondern über mehrere Wochen verteilt immer wieder an einzelnen Tracks schrauben. So hat man immer frische Ohren und oft auch neue Ideen die mit etwas Abstand oft eine echte Bereicherung darstellen und die man bei der „Fließbandarbeit“ wahrscheinlich so nicht gefunden hätte.”
Sven: “Markus spricht natürlich hier nur von dem Rahmen der in unserer Hand liegt, das heißt bis wir mit dem Track halbwegs zufrieden sind, meist reift der Track dann noch ein Weilchen. Soll heißen wir lassen ihn liegen und hören uns ihn später nochmal an. Wenn wir ihn dann immer noch hören können, ist er für uns fertig. da können dann schon mal im Durchschnitt pro Track 3 Monate ins Land gehen. Hinzu kommt dann noch die extrem lange Wartezeit bis wir von der GEMA die Anmeldung durchgeboxt bekommen.”
WDF: “Kann man Euch auch Live als DJ erleben oder seid Ihr eher die „Strippenzieher” im Hintergrund?”
Mark: “Wir haben beide bereits als Live-Act agiert und diverse Großveranstaltungen unsicher gemacht, irgendwann kam Anfang des Millenniums die große Flaute und damit wurde es in der gesamte Szene sehr ruhig. Ausschließen würde ich ein erneutes Live-Projekt heute nicht, allerdings habe ich da eine recht anspruchsvolle Vorstellung was das „Wie“ angeht. Wir überlegen schon sehr lange wie ein Setup aussehen könnte mit dem man einerseits vorproduzierte Dinge schnell und unkompliziert zur Hand hat aber andererseits sowohl auf den Klang als auch auf das Arrangement gut Einfluss nehmen kann ohne das es wie Pattern-orientiertes Live-Sequencing klingt. Ableton ist eine Alternative aber als Cubase-Nutzer ist ein Umstieg nicht denkbar. Bei Steinberg tut sich aktuell jedoch auch ne Menge, mal abwarten … zum aktuellen Zeitpunkt ist P.A.D. als Studioprojekt angelegt und wir fühlen uns sehr wohl damit …”
Sven: “Ich möchte nicht kategorisch ausschließen das wir nicht mal wieder Live auftreten. Aber mittlerweile sind unser Ansprüche an einen Liveauftritt enorm gestiegen. Soll ja nicht nur was für das Ohr sondern auch für das Auge sein. Wir hatten vor längerem schon mal mit dem Gedanken gespielt, aber ihn dann wieder verworfen weil es extrem zeit- und geldintensiv geworden wäre. aber man soll ja niemals nie sagen.”
WDF: “Welche Webseiten/Blogs besucht Ihr regelmäßig?”
Mark: “Es gibt ja diese nette Studie die besagt, dass jeder Deutsche ein Reportoire von nur 8 Seiten hat die er regelmäßig besucht. Ich selbst bin absoluter Vielsurfer und meine Bookmark-Liste braucht eine monatliche Aufräum-Session
Meine persönliche Empfehlung ist DeviantArt als Quell der Inspiration für alle visuellen Dinge und radio.de für die Ideensuche auch über die elektronische Musik hinaus. Blogs lese ich viele und würde mich hier nicht auf eine Empfehlung festmachen wollen außer dass man neben klassischen Websites unbedingt auch Blogs lesen sollte wenn man wirkliche Insidernews bekommen will.”
Sven: “Mark spricht im Durchschnitt von 8 Webseiten. da ich weiß das er extrem viel Seiten hat bleiben für mich natürlich um den Durchschnitt nicht zu versauen nicht viele übrig *ggg*. Ich bewege mich im Durchschnitt auf genau 3 Seiten. An forderster Front möchte ich da jetzt aber nur www.tranceforum.info erwähnen.”
Hier könnt Ihr noch einmal die Siegerseite Januar besuchen…
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