Warum kostet Webdesign so viel

Oktober 17, 2008 in Webdesign News

Heute erhielt ich über mein Kontaktformular auf meiner Website eine Anfrage, in der ein Interessent ein Angebot für die Erstellung einer Internetpräsenz erbat.

Die ersten Zeilen klangen eigentlich so wie immer mit dem Satz: “Wir sind ein Unternehmen aus der …branche und würden gerne das Design unsere Webseite überarbeiten…”.

Hier der Originaltext:
Guten Tag,

ich hätte gern ein Angebot für eine Internetpräsenz. Es existiert bereits eine Seite, aber wir möchten das Design ändern interessanter, wir machen … (Beschreibung des Unternehmens). Die Schrift soll in grün bleiben, es sollen Bilder dazu kommen von Hafen … vielleicht eine Strasse.
Der Hintergrund soll ein helles freundliches blau sein – das Gesamtbild soll seriös wirken.
Wäre nett wenn Sie mir 2-3 layouts schicken, zur Auswahl.
Das ganze soll nicht zu teuer sein.
Danke im Voraus & MfG”

Ich rief die Dame an und erklärte ihr, dass man nicht so einfach 2-3 Layouts erstellen könnne, bevor man nicht weiß worauf man sich da einlässt (Zeit ist Geld). An sich habe ich nichts dagegen einem Kunden einige Layouts zu präsentieren, wenn ich die Zusage habe. Das ist ja nichts außergewöhnliches.

Der Knaller war aber, als ich ihr meinen ca-Preis nannte, der im sehr sehr niedrigen 4-stelligen Bereich lag und sie wohl schockiert war, dass eine Website soooo teuer wäre. Als ich sie nach ihren Vorstellungen fragte, sagte sie, dass wohl 500.- Euro angemessen wären.

Ehrlich gesagt fehlten mir danach die Worte und ich gab ihr höflich zu verstehen, dass wir wohl nicht zusammenkommen würden.

Könnt Ihr mir sagen, wie man auf solche Preise kommt? Ich meine, was denken sich die Auftraggeber? Dass man 1000 fertige Templates in der Schublade hat und wenn eine Versicherung anruft, das “Versicherungstemplate” zückt und die Sache ist fertig?

 

  14 Kommentare

« Comments

18. Oktober 2008

Das Problem liegt daran, dass die Leute einfach keine Ahnung haben. Da kommt dann der Nachbarsjunge oder ein Freund von einem Bekannten. Der nennt sich dann Webdesigner (der Begriff ist ja nicht geschützt) und sagt denen, dass er ihnen für 100 Euro eine tolle Internetseite bastelt. Die sieht dann halt auch entsprechend aus aber Laien wissen das eben nicht. Das Problem hast du nicht nur beim Webdesign sondern auch bei vielen anderen Dingen. Bei mir ist es die Kommunikation z.B. das Schreiben einer Pressemitteilung. Das ist keine Arbeit von 5 Minuten und dennoch verhalten sich einige so, als wäre es das Einfachste der Welt…

18. Oktober 2008

du kannst halt ein website entwerfen und eine website entwerfen. die Preisspanne liegt schonmal bei 100 € bis 5000€. ich musste vor einigen Wochen einem potz. Kunden ebenfalls die Preisspanner erklären. Die Leute haben einfach keine Vorstellung über ein adäquate Entlohung einer Dienstleistung die sie nicht begreifen. Noch dazu kommt das Eier mit eine Palette Eier und einem LKW Kürbissen verglichen werden. Dienstleistung ist nunmal nicht vergleichbar.
Für Webdesign und Kommunikation über Medien gibt es nunmal keinen festen Leitfaden, weswegen es auch kreative Berufe sind.

SO
18. Oktober 2008

Natürlich gibt es diese Preisspanne aber ich gehe ja auch nicht in ein Autohaus und versuche einen Benz für den Preis eines Skoda zu kaufen, obwohl ich kein Autofreak bin. Ich verlange ja nicht, dass der Kunde sich mit meiner Materie auskennt, aber wenn ich derartige Preisvorstellungen höre, geht mir die Hutschnur hoch.

18. Oktober 2008

Die Gründe für solche Preisvorstellungen sind vielfältig.

1.) Wie schon erwähnt, jeder 14-jährige Schüler bietet heute Webdesign für ein Taschengeld an. Die Kunden die solche Angebote annehmen sind auch keine wünschenswerten Kunden. Die meisten dieser Kunden wollen auch nur “online” sein, weil sie dem öffentlichen Druck nicht standhalten. Wenn diese Kunden dann nach ein paar Jahren auch gefunden werden wollen, dann suchen sie nach professioneller Hilfe, haben allerdings immer noch solch kranke Preisvorstellungen.

2.) Es wird der Allgemeinheit in den Medien ja auch immer wieder weis gemacht, dass jeder heute mit einem kostenlosen Programm schnell ein Webdesign machen kann. “Erstellen Sie in 30 Minuten Ihre eigene Homepage”

3.) Ich hatte mal einen Kunden, der als Architekt mit seinem Kollegen zusammen seine Broschüre selbst gestaltet hat und zwar komplett in Autocad. Wir haben in der Druckerei 2 Tage versucht diese Daten zu verarbeiten, erfolglos. Ich rief ihn daraufhin an und sagte, dass wir die Daten neu aufbereiten müssten und es würden 2 Tage zusätzliche Arbeit anfallen und davon würde ich ihm die Hälfte schenken. Seine Antwort war: “Kann doch nicht sein, wir haben doch mit 2 Leuten 6 Wochen diese Broschüre digital erstellt, muss doch auch so gehen.”
Das war das erste und einzige Mal dass ich einem Kunden folgende Antwort gab:” Wie weit wollen wir denn in Zukunft noch gehen Herr ……..? Ein Grafikdesigner studiert für seinen Beruf 6 Jahre und das hat auch seinen Grund. Wollen wir uns in Zukunft auch den Blinddarm selber rausnehmen?”
Das hat in diesem Fall gefruchtet und alle waren am Ende glücklich über ein schönes Produkt.

Ich könnte noch 20 Punkte mehr aufführen, will aber den Post nicht sprengen.

Rock on…
Stefan

18. Oktober 2008
SO
18. Oktober 2008

@daswebdesignblog:

Habe ich vor ca 30 Minuten gelesen. Guter Beitrag.

19. Oktober 2008

Hallo,
dann mach doch einfach eine 500 Euro Seite mit 0815-Design ohne Aufwand. Änderungen und nachträgliche Wünsche extra berechnen.

SO
20. Oktober 2008

@Christian:

Wenn der Kunde schon von vornherein mehrere Layouts “zur Wahl” wünscht, bevor eine Zahlung erfolgt ist, kann ich mir vorstellen, wie das danach weitergeht…

Munch
21. Oktober 2008

Habt ihr schonmal bei MyHammer nach Webdesign geschaut??? Dort treffen sich glaube ich all diese “Kunden” und Hobbyentwickler, und die Preise sind beschissen.
Ich bin allerdings überzeugt davon, dass es auch Kunden gibt die wissen welche Qualität sie benötigen und wie die Preise dafür sind.

21. Oktober 2008

Ola SO!

Es gibt durchaus Webseiten, für die ein Preis von 500,- Euro angemessen ist. Vielfach geht es ja tatsächlich lediglich darum, dass irgendeine Webseite existiert.
Ich habe z.B. einen Bekannten, der eine KFZ-Werkstatt betreibt. Das einzige, was seine Webseite leisten soll, ist, Kontaktinformationen bereitstellen. Gut, am Ende waren es 5 oder 6 Unterseiten, die vom Webdesigner zu erbringende Arbeitsleistung wäre dennoch eher keine 500,- Euro “Wert” gewesen.

Ich kenne aber auch genug Beispiele, die in die Richtung “Eierlegende Wollmilchsau für nen Appel und nen Ei” gehen. Antworte solchen Leuten doch in Zukunft frei nach Brian Foote und Joseph Yoder mit einem “Wenn Sie glauben gutes Webdesign sei teuer, dann probieren Sie es mit billigem.”

Wenn die “Kunden” erst einmal Erfahrungen mit einem 100-Euro-Designer gemacht haben, kommt sicher ein Gutteil geläutert zurück :)

Mit hanfigen Grüßen
Steffen

SO
21. Oktober 2008

@Steffen:

Guter Spruch, muss ich mir merken. Das sind genau die Kunden, die schon Munch angesprochen hat “MyHammer” und so…

HD
26. Oktober 2008

Ganz unterhaltsam ist zu diesem Thema auch folgendes:
http://www.mstefan.com/blog/?p=30

Grüße hd

27. Oktober 2008

Naja, die meisten Kunden haben keine Vorstellung davon, wie lange es dauert, eine Website zu erstellen. Und irgendjemand macht es dann doch immer billig (weil er das nur “nebenher” macht, als Schüler, Student o.ä.). Also kann es ja nicht so schwierig sein, oder?

Klar gibt es da im Allgemeinen einen Qualitätsunterschied. Wobei man auch sagen muss, dass es auch teure Webdesigner gibt, die ziemlichen Schrott abliefern – und wie soll der Kunde das durchschauen? Zum Design sagt er “gefällt mir” oder “gefällt mir nicht” oder “können Sie da oben noch ein paar blinkende Sterne einbauen?”. Das technische (Erweiterbarkeit, SEO usw.) kann er meist gar nicht beurteilen. Wie auch?

Tom
1. Dezember 2008

Manchmal ist einfach einfach zu sagen es dauert x Stunden und jede Stunde kostet X EUR. Dann sehen manche wieviel Arbeit eigentlich dahinter steckt.

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